Dies ist die Geschichte über mich, Sven Dörner, und meinem Auslandsjahr 2008/09 in Neuseeland. Ich glaube es begann alles mit meinem Vater der schon immer sehr begeistert von Schülern war, die ein Jahr in einem anderen Land zur Schule gehen, deren Sprache und Kultur lernen. Ich hingegen hatte so meine Bedenken alleine in eine fremde Familie, sogar in einem anderen Kontinent zu leben. Wie es letztendlich dazu kam das ich mich bei einer Organisation beworben habe, weiß ich nicht mehr aber es war eine gute Entscheidung. Ich ließ vieles auf mich zu kommen und habe mir nach einer geraumen Zeit keine Gedanken mehr darüber gemacht. Doch eines Tages ging es in die kritische Phase und es gab keinen Weg mehr zurück. Vor- bereitungswochenenden und Papierkram prägten mein Jahresende 2007. Die Zeit des Hoffens begann und in welchem Land werde ich für 1 Jahr Leben? Und dann bekam ich endlich den langersehnten Brief und es stellte sich heraus, dass Brasilien für mich ausgesucht wurde. Ich freute mich, auch wenn Brasilien nur 2. Wahl war und keiner davon ausging, dass ich 1 Jahr nach Brasilien marschieren sollte. Weihnachtsgeschenke waren portugiesische

Wörterbücher und Sprachtrainer die sich später als überflüssig heraus stellen sollten, da ich zum Frühjahr 2008 einen Anruf erhielt und man mir die Auswahl zwischen Brasilien und Neuseeland stellte, da ein Platz im Programm frei wurde. Wie ihr es schon ahnt, habe ich mich mir ein Wochenende den Kopf zerbrochen und mich endgültig gegen Brasilien und für Neuseeland entschieden. Diese Entscheidung war nun Tatsache und ich wusste, dass dieses Jahr etwas ganz anderes werden würde.  Von nun an verging die Zeit so schnell und eh man sich versah saß man mit gepackten Koffern im Flugzeug. Am 16. Juli 2008, nach Abschiedsparty und Goodbye mit Familie und Freunden saß ich mit 5 anderen Deutschen im Flieger nach Singapur und weiter nach Auckland (New Zealand). Von nun an gab es kein Deutsch mehr und alle waren dazu gezwungen Englisch zu sprechen. Nach 2 -tägigem Willkommens Camp weiter nach Christchurch wo ich meine Gastfamilie treffen sollte. Ich war sehr nervös, ich wusste mich weder so richtig zu verhalten noch was mich erwartet denn nach zwei E-Mails konnte ich nicht sagen was auf mich zu kommt. Nur eins wusste ich, es wird ganz anders, nicht einen älteren Bruder wie in Deutschland, nein drei Gastschwestern im Alter von 10, 13 und 18 Jahren und einen 15 jährigen Gastbruder. Meine Sorgen verflogen jedoch sehr schnell, als ich liebevoll am Flughafen empfangen wurde, sie kamen jedoch wieder als ich zum 1. Mal ins Haus ging. Es war ein altes Haus…, ein sehr altes Haus mit Löchern in Boden und Wänden und schweine kalt, da normale neuseeländische Häuser kein wirkliches Heizsystem haben sondern nur, wenn man Glück hat, einen tragbaren Heizlüfter. Ich habe all dies jedoch gar nicht mehr richtig realisieren können, da mir der Jetleck zu schaffen machte und ich tot müde

ins Bett fiel. Am nächsten Tag ging es schon früh raus da die Familie und ich zum naheliegenden Skigebiet fuhren, welches nur 2 Stunden entfernt war. Die ersten Tage waren hart zu genießen, da alles neu und ungewohnt war und man zweifelte sehr, jedoch war es einfach geil auf der Spitze von Mt. Hutt zu snowboarden und die Aussicht zu genießen. Wieder zu Hause konnte ich nun erst einmal die schöne Aussicht des Lyttelton Hafens genießen, denn dies war die kleine Stadt am Rande von Christchurch. Es war wunderschön hier und man konnte über die komplette Stadt gucken, denn Lyttelton ist wie ein Krater geformt und die Häuser liegen am Hang des Berges (siehe Foto). Mit dem Bus konnte man regelmäßig bis Mitternacht in die Stadt fahren und war nach ungefähr einer halben

Stunde dort. Nach dem Wochenende fing auch schon gleich die Schule an und ich wurde mehr oder weniger ins kalte Wasser geschmissen. Ich ging von nun an in die 12. Klasse der Shirley Boys High School und was ihr euch anhand des Namens denken könnt ist, dass es eine Jungenschule ist und wir müssen alle die gleiche Schuluniform tragen, was anfangs ein bisschen unnormal war aber mit der Zeit kein Problem mehr. Shirley Boys, mit seinen rund 1400 Schülern hat ein ungewöhnliches Schulsystem, da die gesamte Schule in 5 Häuser aufgeteilt ist und jeder einem spezifischem angehört. Ich bin im Haus Aoraki, welches nach einem berühmten Neuseeländer benannt wurde, sowie die Häuser Rutherford, Snell, Blake und Mullens.  Es gibt auf meiner Schule die verschiedensten Fächer, von Kochtraining über Outdoor Education bis hin zu Auto und Motor Unterricht. Ich  konnte mir fünf von unendlich vielen Fächern auswählen. Ich wählte Englisch, Mathe, Sport, Sport Wissenschaft und Kunst Photografie. Die Schule in Neuseeland ist jedoch überhaupt nicht mit einem deutschen Gymnasium zu vergleichen, da der Unterricht viel entspannter ist und man gern mal im Unterricht das vorige Wochenende auswertete. Am Anfang hat mir das gefallen, da man sich nicht den Kopf wegen Hausaufgaben oder sonstige Sachen zerbrechen musste, jedoch muss ich jetzt nach mehr als 7 Monaten sagen, dass es mehr negativ ist als alles andere, da man sich sehr da rein steigerte und man schnell ins Nichtstun überging, was nicht gerade förderlich ist für meine Rückkehr in die 11. Klasse am 

Die Hauptstadt Wellington
Die Hauptstadt Wellington

Gymnasium. Ich muss jeden Tag mit dem Bus mehr als eine halbe Stunde zur Schule fahren, was sich aber schlimmer anhört als es ist. Die Schule beginnt in der Regel um 8:30 und endet um 15 Uhr jedoch gibt es zwischendurch eine 55 -minütige Lunchpause. Jeden Mittwoch gab es eine sogenannte Assembly, was nicht weniger als ein zusammenkommen aller war, wo der „Headmaster“  (Schulleiter) reden hielt. Insgesamt war meine Schule strukturierter und man musste die Regeln befolgen um sich nicht eine „detention“ einzufangen, was mehr oder weniger Nachsitzen hieß und man Zahlen von 1 bis 2000 oder ähnliche sinnlose Dinge auf ein Blatt Papier schreiben musste. Auslöser dafür waren meisten zu spät sein, frech werden, in der Assembly auffallen und ähnliches. Vieles, wie nicht rasiert sein, unordentliche Schuluniform (Hemd draußen) und Kragenknopf nicht zu oder das tragen von Ohrringen oder Arm und Halsketten wurden meist  nur mit Liegestützen bestraft, wo ich schon einige Male mit zu tun hatte. In der Schule hatte ich schnell durch meinen Gastbruder Kontakte geknüpft und man konnte sich während und zwischen den Stunden gut unterhalten. Auch die Lehrer waren größten Teils jung und nicht so verklemmt wie in Deutschland, was auch hier zu positiven Gesprächen führte.

Nach knapp einem Monat hatte ich es nun geschafft mir vom naheliegenden Surfshop Material von vorne bis hinten zu besorgen. Glücklicherweise war der Ladenbesitzer ein sehr guter Freund von meinen Gasteltern und ein total korrekter Kerl der mir sehr faire Preise machte und mich auch sein Material ohne Probleme fahren ließ. Auch heute noch bin ich sehr froh darüber und stehe mit ihm viel im Kontakt. Er gibt mit Tipps und reparierte mein Material meistens sehr günstig. Der Surfladen liegt direkt am „Estuary“ was zwar eine nicht so schöne Flussmündung ist, jedoch ein hervorragender Freestyle Spot, denn bei einsetzender Ebbe wird das Wasser immer flacher bis zum Schluss nur noch eine Pfütze da ist. Auch die Windbedingungen sind sehr gut in Christchurch. Die Hauptwindrichtung ist Ost Nordost, die uns auch sehr regelmäßig im Sommer Heim sucht. In einer guten Sommersaison hat man schon mal vier Tage Ost Nordost Wind mit 20-25 Knoten, dann 3 Tage Pause und das Geschehen wiederholt sich wieder. Ich verbrachte die ersten Sommermonate sehr viel auf dem Wasser, auch wenn einem manchmal das Thema Ebbe und Flut zu schaffen machte, da kein Wasser zur rechten Zeit da war. Mein Gastbruder Alex ist ein begeisterter Kitesurfer und auch ziemlich gut in seinem Element, so machte er im Frühjahr bei Nationalwettkämpfen mit und schnitt für sein Alter gut ab. Klar, dass

wir oft zusammen auf dem Wasser waren und trainierten. Mit zunehmender Trainingszeit wurde ich spürbar besser im Freestylen. Einen weiteren Spott am „Lake Clearwater“ besuchten wir im Laufe des Jahres wo ich den bisher stärksten Wind mit 50 Knoten hatte. Im Urlaub in Australien ( 3 Wochen) kam ich auch zum Windsurfen, ein total geiles Erlebnis und Australien ist sowieso richtig geil. Seit meinem Aufenthalt in Neuseeland habe ich schon so einige Kilo zugenommen, da ich die ersten Monate Fast Food rein geschaufelt habe ohne Ende, jedoch hat sich dies zum Glück wieder normalisiert, sodass ich nicht als runde Kugel nach Deutschland zurück komme. Trotz alle dem ist die Esskultur ein wenig anders als in Deutschland, so wird zum Beispiel am Abend die warme Hauptmahlzeit eingenommen und nicht wie bei uns zum Mittag. In Christchurch ist das Wasser um sonst für alle, was heißt ich trinke fast nur Leitungswasser, da nur wenige Familien Getränke kaufen wie es zu Hause üblich ist. Christchurch hat eines der besten Trinkwässer der Welt und ist auch dadurch sehr beliebt. In anderen Teilen Neuseelands geschweige denn in Australien wird das Wasser auch fast nur aus der Leitung getrunken, auch wenn es

eklig schmeckt. Des weiteren wird bei uns in der Regel am Samstag immer „Take Away“ bestellt, was entweder die begehrten Fish & Chips sind, Chinesisch, Indisch und vieles mehr. Auch zum Barbecue wird oft gegriffen um schnell mal ein paar Würste oder Steaks zu grillen, da es mit den „Monstern von Gasgrillen“ schnell und einfach geht, auch wenn wie ich finde es nicht so schön ist wie ein schöner Holzkohlegrill in Deutschland. Nebenbei gesagt kann man die Bratwurst hier auch gut in die Tonne stampfen

Es gibt einfach zu viele Kleinigkeiten die neu und anders sind als in Deutschland. Trotz all den Macken und komischen Dingen in Neuseeland, gefällt mir das Land noch immer sehr gut und ich entdecke immer wieder neue Sachen und erlebe neue Geschehen rund um Schule, Familie und Freunde. Die Natur ist faszinierend und man muss es mit eigenen Augen gesehen haben um sich einen Eindruck zu machen. Ich habe noch ein bisschen mehr als 3 Monate Zeit den Rest von Neuseeland zu entdecken, wobei ich zu Ostern einen Trip nach Queenstown plane um endlich einen der höchsten Bungy Jumps  der Welt machen zu können. Mit 134m Höhe und einer freien Flugzeit von 8,5 sec wird dies kein Kindergeburtstag und ich hoffe, ich traue mich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Grüße an das Wind-Schiefs Team, meine Eltern und alle anderen!!

Bis bald Sven